Über uns
Das von der VolkswagenStiftung geförderte Projekt „Biografische Studien zu Mitgliedern der Leopoldina im Nationalsozialismus“ untersuchte zwischen 2021 und 2026 ausgewählte wissenschaftliche Lebensläufe von Akademie-Mitgliedern während der NS-Zeit. Ziel war eine differenzierte Einordnung wissenschaftlichen Verhaltens in Forschung, Lehre und Hochschulpolitik, die über pauschale Kategorien wie „Täter“ oder „Mitläufer“ hinausgeht. Während sich frühere Arbeiten zur Geschichte der Leopoldina vor allem auf die Institution, den Vergleich mit anderen Akademien und das Handeln ihrer Repräsentanten konzentrierten, richtet dieses Projekt den Blick stärker auf die Mitglieder und ihre Aktivitäten auch außerhalb der Akademie.
Der Ansatz des Projektes verband quantitative mit qualitativen Methoden und sah neben einem wissenschaftlichen Band und der Veröffentlichung von Kurzbiografien zu ausgewählten Mitgliedern auch die Erarbeitung einer biografischen Datenbank vor. Deren Ziel ist es, wissenschaftlich validierte Informationen zu den Mitgliedern öffentlich sichtbar und systematisch auffindbar zu gestalten. Die so aufbereiteten Informationen werden durch weitere Publikationen kontextualisiert und bilden darüber hinaus einen Ausgangspunkt für weiterführende Fragestellungen und zukünftige Forschung.
Mitglieder in der Datenbank
Insgesamt waren 2.290 damalige oder spätere Mitglieder der Leopoldina während der NS-Zeit wissenschaftlich aktiv. Für eine eingehende Betrachtung war diese Grundgesamtheit, die die Kriterien „zwischen 1860 und 1920 geboren“ und „Sterbejahr nach 1933“ erfüllt, jedoch zu umfassend. Deshalb wurden für die Bearbeitung sowie für mögliche Kandidaten für eine Kurzbiografie im Rahmen des Projekts zunächst 243 Personen zufallsgesteuert ausgewählt, die die Grundgesamtheit repräsentativ abbilden. Diese Liste wurde um eine Gruppe von Funktionären, Nobelpreisträger:innen, Wissenschaftlerinnen und Emigrant:innen ergänzt, deren Wirken, so die Hypothese, in besonderer Weise von der Beziehung zwischen Wissenschaft und Politik geprägt war. Dieses Nicht-Zufallssample besteht aus insgesamt 57 Personen. Somit entstand ein Untersuchungssample von 300 Mitgliedern. Neben dem 300er-Sample kommt der Datenbank für Mitglieder der Physik-Sektion der Leopoldina eine Sonderrolle zu. Dies basiert auf einer im Rahmen des Projekts entstehenden Dissertation, die sich speziell mit der Physik-Sektion der Leopoldina befasst. Auch hier wurden Zuwahlen und weiterführende Informationen ergänzt. Daher können die deskriptiven Tabellen und Visualisierungen stets in drei Kategorien betrachtet werden: alle Mitglieder, das 300er-Sample und die Physiker.
In der Datenbank finden sich nun biografische Informationen zu den 2.290 Mitgliedern der Grundgesamtheit sowie zusätzlich für die Mitglieder des Untersuchungssamples und der Physiksektion Informationen zu Zuwahldaten und Ämtern in der Leopoldina. Zudem existieren in der Datenbank insgesamt 73 Mitglieder, die nicht zur Grundgesamtheit gehören, aber durch Zuwahlinformationen der Mitglieder hinzugefügt wurden. Detaillierte Erläuterungen zu den erfassten Kategorien finden Sie im Glossar.
Veröffentlichungen
Komplementär zum quantitativen Ansatz der Datenbank wurden im Rahmen des Projekts weitere Publikationen erarbeitet. Rund 40 Kurzbiografien zu ausgewählten Mitgliedern sind in der digitalen Bibliothek des Leopoldina-Archivs veröffentlicht. Ein Sammelband nähert sich aus unterschiedlichen Perspektiven Fragen nach den Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens, der organisationalen Verfasstheit der Leopoldina und der NS-Belastung an. Er wird voraussichtlich Ende 2026 erscheinen. Schließlich widmet sich die Dissertation von Lisa Stolz der Physiksektion und nimmt hier insbesondere die inner- und außerwissenschaftlichen Netzwerke der Wissenschaftler:innen in den Blick.
Quellen und Literatur
Zu den Mitgliedern des Untersuchungssamples wurden Informationen aus dem Leopoldina-Archiv um solche aus Akten des Bundesarchivs, des Stasi-Unterlagen-Archivs, einiger Universitätsarchive sowie aus ausländischen Archiven ergänzt. Darüber hinaus wertet das Projekt die online publizierten Daten zur DFG-Forschungsförderung 1920 bis 1945 aus (gepris-historisch.dfg.de). Alles wird so dokumentiert, dass die Herkunft der Datensätze nachweisbar ist.
Projektdaten
- Förderung
- VolkswagenStiftung, Hannover
- Projektlaufzeit
- 2021–2026
- Projektleitung
- Wolfgang Eckart*, Dieter Hoffmann ML, Karl-Heinz Leven ML, Ute Planert, Carsten Reinhardt ML, Volker Roelcke ML, Paul J. Weindling ML
- Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
- Lucy Betke, Petra Rentrop-Koch, Lisa Stolz
- Ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
- Lasse Stelzer, Anne Sudrow
- Wissenschaftliche Hilfskräfte
- Lisa Arnold, Leonie Beer, Elisabeth Dreysse, Olga Kröninger
- Projektseite der Leopoldina
- Projektseite der Leopoldina
- Projektbeirat
- Unabhängiger wissenschaftlicher Beirat; die Beiratsmitglieder sind nicht zugleich Mitglieder der Leopoldina. Genannt werden u. a. Dr. Johanna Brumberg (VolkswagenStiftung), Dr. Sören Flachowsky (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Gabriele Metzler und PD Dr. Désirée Schauz (Karlsruher Institut für Technologie). Verbindliche Zusammensetzung und Institutsangaben siehe Projektseite der Leopoldina.
- * ML = Mitglied der Leopoldina